Ecuador: Galapagosinseln – Tag 6

Zwischen Pinguinen, Meeresschildkröten und Haien

 

Pinguine vom Iguana-Felsen

Auf Isabella gibt es keine Geldautomaten. man muss genug Bares mitbringen. So stellten wir gestern Abend mit Erschrecken fest, dass wir nicht mehr genug dabei haben, um die Schnorcheltour nach „Los Tunneles“ (90$) bezahlen zu können. Nach langem Herumsuchen fanden wir dann aber Gottseidank noch eine Agentur, die und – gegen Kommission – mit Kreditkarte bazahlen ließ. Lange hatten wir überlegt, ob wir eine Tour und wenn, welche buchen sollten. Denn beim Flug und bei den Touren spürt man den finanziellen Aderlass auf den Inseln deutlich.

7.45 Uhr werden wir vom Isabella Diving Center abgeholt. Mit einem kleinen Schnellboot geht’s dann mit acht weiteren Schnorchlern und Guide Carlos hinaus auf’s Meer. Carlos ist nach eigenem Bekunden Führer, Arzt, Friedensrichter. „I am your everything.“ Erstes Ziel ist ein kleiner Felsen, der aus mehreren Perspektiven einem Iguana gleicht. Auf seiner Spitze thronen Nascar-Boobies, Verwandte des Blufußtölpels, deren Name von der hiesigen tektonischen Platte herrührt. Weiter unten hocken Seehunde, Krabben, Blaufüßer und Pinguine! So nah am Äquator findet man sie nur hier auf den Inseln. Nicht größer als ein halber Meter blicken sie in sich ruhend vor sich hin und lassen sich durch uns in keinster Weise aus der Ruhe bringen. Ein junger hat noch etwas Restpelz. Nachdem die kleinen sich fettgefressen haben, fasten sie zwölf Tage lang und verlieren in dieser Zeit ihren Pelz.

Jungtölpel und Ah-Ah-Lava

Weiter geht’s zu besagtem „Los Tunneles“, einer Lavasteinlandschaft aus Höhlen und Brücken im flachen Wasser, nahe der Küste. Die spitze, scharfkatige Lava soll laut Carlos bei den Hawaianern „Ah-Ah-Lava“ heißen. Benannt nach den Schmerzrufen, die man beim Drüberlaufen von sich gibt. Carlos, hat wie alle Performer sicher auch sein Arsenal an immer funktionierenden Stories und Rattenfängertricks. Tatsächlich ergab meine skeptische Suche bei Wikipedia jedoch wirklich einen Treffer für Aʻā-Lava.

Ein Blaufußtölpel-Junges sitzt am Boden. Schwarz-weiß und flauschig, bereits so groß wie die Eltern. Die sitzen etwas abseits am Rand einer kleinen lagune und hecheln mit offenen Schnäbeln in der Hitze. Sie scheinen sich nicht an uns zu stören, die wir nur zwei Meter von ihnen entfernt herumfotografieren. Doch wer weiß, vielleicht wollen sie auch nur ihr Junges nicht aus den Augen lassen und sind gestresst durch unsere Anwesenheit. Wir sind in diesem Moment jedoch so geflasht, dass uns diese Zweifel erst später kommen. Carlos hätte uns da womöglich eher auf Abstand halten sollen.

Wähend die Anderen sich von Carlos mit den Boobies fotografieren lassen, beobachten wir in einerm Wasserbecken einen kleinen Pinguin, der auf der Jagd nach Fischen blitzschnell durch’s Wasser schießt. Ist zu langsam für die Fische, saust herum, hat einen! Von der Seite schiebt sich der große ovale Panzer einer Meeresschildkröte heran. Über einen Meter lang schwebt sie erhaben, beinahe graziös durch’s blaugrüne Wasser. Gerade ist Paarungszeit. So sehen wir bei der Weiterfahrt noch mehrere Paare beim balancieren zwischen den Wellen. Etwas weiter schaut eine schwarze Flosse aus dem Wasser. Allen schießt zuerst „Hai!“ durch den Kopf, es ist jedoch die Spitze der Flosse eines scheinbar riesigen Mantarochens.

Bei den Haien

Bald darauf sind wir im Wasser und schnorcheln hinter Carlos her. Vorbei an kleinen schwarzen Fischen, die uns an den beinen knabbern, riesigen Razor-Fischen, roten, gelben, blauen, Schwärmen kleiner grauer und einem Seepferd, dass sich tief unten am Boden als Seegras tarnt. Wir tauchen kurz auf und neben uns ebenso der Kopf einer Meeresschildkröte. Wir folgen dem Tier eine Weile, unter uns lässt es ich auf den Boden herabsinken, um dann mühelos mit einer kurzen Bewegung der Schaufeln mühelos wieder zur Oberfläche aufzusteigen und Luft an der Oberfläche zu holen. Dort wirkt ihr kantiger gelb-brauner Kopf etwas hilflos, fast wie eine künstliche Puppe aus dem Jim Henson Creature Shop. Doch kaum unter Wasser ist sie unantastbar ehrfurchtgebietend. Für einen Moment schwebe ich über ihr. In Strömung und Wellen schaukeln wir parallel zueinander.

Ein kleiner Adlerrochen zieht am Boden seine Bahnen. Schwarz mit weißen Punkten schwebt er davon, gefolgt von zehn in einander rempelnden Schnorchlern. Dann kündigt Carlos den Höhepunkt der Tour an: „And now I will-a show you the shark! Please keep it the very relax! You ready to swim with shark okay let’s go!“ Carlos gestikuliert hinter einen Felsvorsprung, ich schiebe mich hinüber und dort steht er, zwei Meter unter mir. Schwebt über dem kiesigen Boden wie ein kleines U-Boot. Ein Weißspitzen-Hai. Stahlgrau, an die zwei Meter lang. Reptilienaugen starren nervös in unsere Richtung. Unter dem Felsen, stellt sich heraus, schlafen noch vier, fünf weitere Haie, die vom ersten bewacht werden. Immer nervöser schwimmt er zwischen uns und den anderen Haien hin und her, bis wir endlich von ihm lassen und wieder auftauchen, um das Erlebte erstmal zu verarbeiten. Doch kaum haben wir Halt an einem Felsvorsprung gefunden, erblicken wir darauf einen kleinen Pinguin, der einen halben Meter entfernt regungslos dahockt. Trotz unserer Anwesenheit bewegt er sich nicht einen Zentimeter. So hängen wir eine Weile gemeinsam am Felsen bis es Zeit für die Rückkehr ist.

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