Ecuador: Galapagos – Tag 5

Blutwurst und beissende Fische

Auf den Vulkan

Heute macht jeder seins. Während Karo schnorchelt und sonnenbadet, habe ich für 35$ eine Tour zu den Vulkanen Sierra Negra und Chico gebucht. Um 7 Uhr werde ich vom Civa abgeholt, einem an den Seiten offenen Bus mit durchgehenden Sitzbänken. Als hätte man um die Bankreihen einer Kirche einen Bus gebaut. Fahrtwind und wunderbar offener Blick auf die grüne Inselvegetation, die, je höher wir kommen, immer dichter wird. Bis in die Wolken hinauf geht die Fahrt.

Wir steigen aus und laufen die nächsten zwei Stunden durch dichte Wolken und tief verschlammte, matschige Wege einen schmalen Pfad in leichtem Linksbogen immer geradeaus. Irgendwo sollten wir den Krater des Sierra Negra sehen können, einen der größten der Welt, von mehreren Kilometern Durchmesser. Leider stehen die Wolken heute so dicht, dass nichts zu sehen ist.
Nach einer Weile wird der Boden trockener, zeigt sich der Himmel, stehen wir über den Wolken in vulkanischer Mondlandschaft. Erloschene Krater, Lavatunnel und Schlacke. Braun die ältere, schwarz die neuere. Die Hitze schlägt uns aus dem Himmel und vom Boden her entgegen. Eine Weile sitzen wir am Krater des Chico und blicken über die Küste und das Meer. Weit hinten am Horizont erkennen wie die Inseln Fernanda und Isabella.
Ein schöner Moment, doch eindrucksvoller habe ich diese Landschaft bereits auf Teneriffa am Vulkan Teide erlebt. Der riesigen Krater des Sierra Negra war der eigentliche Grund für mich gewesen, die Tour zu buchen. Etwas enttäuscht mache ich mich also mit den Anderen auf den Rückweg, hinunter in die Wolken, die matschigen zwei Stunden in Richtung Parkplatz hinab. In leichtem Rechtsbogen verläuft der Pfad jetzt, gesäumt von dichtem Grün und noch dichterem Wolkengrau.

Plötzlich schimmern rechterhand Konturen durch das Grau, gewinnt der Blick nach rechts an Tiefe. Für einen Moment reißen die Nebel auseinander und ich stehe vor einem Abgrund, der an einer runden, bratpfannenartigen Ebene endet, deren Ende nicht auszumachen ist. Eine einzige rotbraune Lavafläche, die sich scharf vom grünen Hang des Kraterrandes absetzt. Die ganze Zeit sind wir auf dem Rand des Sierra Negra-Kraters gelaufen. Ohne es zu merken, da er mit 50km Umfang fast geradeaus zu verlaufen schien.
Ich blicke auf die endlose Fläche und frage mich, wie es gewesen sein muss, hier oben zu stehen, als der gesamte Kraterinhalt glühend heiß war. Die Vulkane der Galapagosinseln haben keine explosiven Eruptionen. Ihre Lava fließt gemächlich an bestimmten Ausflussstellen ab. Vielleicht köchelte sie in dieser gigantischen Bratpfanne einige hundert Jahre friedlich vor sich hin. Noch heute sieht der Krater des Sierra Negra aus wie eine gigantische Pfanne rotbrauner Blutwurst.

Robben, Rochen und beissende Fische

Karo hat den Tag damit verbracht, den Blaufußtölpeln am Strand beim Fischen zuzusehen. Während die Vögel an Land mit ihren hellblauen Füßen eher unbeholfen umherwatscheln, woher womöglich ihr undankbarer Name rührt, schießen sie beim Fischfang wie Rakten in Formation aus der Höhe ins Wasser hinab. Nach meiner Blutwurstpfanne im Nebel beneide ich sie deshalb etwas um ihr Tageserlebnis und beschließe, den Tag mit einem abendlichen Schnorchelgang in der Bucht Concha y Perla zu beschließen. Bei Flut macht die undurchdringliche Tiefe der Bucht etwas mulmig, und ich halte mich an die Ränder, wo Mangrovenwurzeln ein bizarres Dickicht bilden. Kleine schwarze Fische mit gelben Mäulern schwimmen nah an meinen Beinen, scheinen gar keine Scheu zu haben. Auch nicht davor, beherzt zuzubeissen, wenn ich länger an einem Ort stehe. Im Prenzlauer Berg mag man zwar Unsummen dafür bezahlen, sich die Füße von Fischen sauberknabbern zu lassen, ich bezweifle allerdings, dass es dort so fies zwickt wie hier.

Auf dem Weg nach Hause halten wir kurz am Hafenbecken, wo unter unseren Füßen ein ein Meter großer Rochen unter dem Landesteg hindurchschwebt. Irgendwo neben uns auf dem Sand hören wir ein furchtbar nörgeliges Schreien. Ein Seehundbaby quäkt, während es an seiner Mutter saugt. Gleich daneben vertrömt der wachsame Bulle seinen archaischen Gestank. Wir schleichen uns vorbei und versuchen nicht zu stören.

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