Ecuador: Galapagos – Tag 2

Riesen, Finken und Krater

Zwei Krater & Darwins Finken

Unter den vielen Tagestouren zu Schnorchel- und Tauchplätzen und Wanderungen, die auf Santa Cruz angeboten werden, gibt es eine mit dem Taxi ins Riesenschildkrötenreservat Chato. Von einem Reservat kann man allerdings nicht wirklich sprechen, da das Gelände zwar privat und mit Stacheldraht umgeben ist, dieser jedoch ehe Zahlungsunwillige draußen, als die Tiere drinnen halten soll. Die Schildkröten leben überall frei im Inselinneren, doch hier kann man sie besonders gut sehen.

Für 35$ fährt uns Taxifahrer Angel hinauf in die dichtere Vegetationszone. Erzählt davon, wie die Einheimischen früher die Schildkröten, die in ihren Gärten liefen, verspeist oder ihre Panzer, Eier und Jungtiere an die ersten Touristen verscherbelt hätten.
Die Straße ins Reservat führt zwischen zwei großen Einsturzkratern hindurch. Wir machen kurz halt und umwandern einen der Krater zu Hälfte. An die hundertfünfzig Meter im Durchmesser und an die 30 Meter tief klafft das ovale Loch in der dichten Vegetation, die auch komplett den Boden bedeckt. Was da unten lebt – man möchte es gern wissen, vielleicht aber auch besser nicht.
Der zweite Krater ist etwas kleiner. Darwinfinken hüpfen auf dem Weg am Kraterrand auf und ab, hoffen darauf, dass etwas von der Wegzehrung der Touristen für sie abfällt. Kleine dicke, spatzenähnliche Vögel mit dicken, kräftigen Schnäbeln. Darwin zufolge haben die vielen auf den Galapagos vorkommenden Arten einen gemeinsamen Vorfahren, welcher sich den unterschiedlichen Gegebenheiten der verschiedenen Inseln angepasst und sich so zu verschiedenen Unterarten weiterentwickelt hat. Großes Gewese wird daher um die Kleinen gemacht. Auch wenn sie in ihrem selbstbewusst-aufdringlichen Wesen dem gemeinen Berliner Stadtspatz durchaus ähneln.

Riesen – Reservat

Im Schildkötenreservat zahlen wir jeder 6$ Eintritt und brauchen nicht weit zu laufen, bis wir in einem kleinen Tümpel drei glatte Hügel im Schlamm sitzen sehen. Einen Moment stehen und staunen wir nur. Der Panzer der Tiere einen Meter lang. Hinten zwei massige, dick beschuppte Schaufelfüsse die in Form und Farbe an einen Elefanten erinnern. Vorne zwei breite Schaufeln mit Krallen und dazwischen ein kantiger Kopf. Langsam, sehr langsam hebt und senkt er sich, schaut uns aus kleinen schwarzen Augen von der Seite an. Ein Schaufelbein hebt sich. Es wird sich zwei Zentimeter zur Seite geschoben, dorthin wo der Schlamm vielleicht etwas weicher ist. Dann passiert eine ganze Weile lang nichts. Ein Stück weiter sitzt ein anderer Riese bewegungslos da. Nur der Kopf malmt langsam, rupft am langen Gras. Maul klappt auf, dicke spitze Zunge zeigt sich, Kopf reckt sich ruckartig nach vorn, klappt zu, rupft Gras. Malmt. Fast möchte man meinen, ein Stop-Motion-Monster vor sich zu haben, oder eine Hand, die den Kopf wie eine Puppe bewegt. So behäbig und langsam sind die Bewegungen. Dann wieder lange nichts.

Lange möchte man dieser Langsamkeit zuschauen. Diesem Dasitzen und Nichtstun. Haben Sie Gras, fressen sie. Deshalb kann man die Tiere überall auf offenen Flächen und Weiden antreffen.
Haben sie nichts zu fressen, kommen sie auch bis zu einem Jahr ohne Nahrung aus. Man geht davon aus, dass Riesenschildkröten einst von Seefahrern in Afrika als Frischnahrung mitgenommen und nicht „verwendete“ zum Ende der Reise hin über Bord geworfen wurden. Da sie im Wasser nicht untergehen, trieben sie mit den Strömungen ums Kap der Guten Hoffnung herum, die Westküste Südamerikas mit dem Humboldtstrom hinauf, bis zu den Galapagosinseln. Kaum zu glauben, aber innerhalb eines bis zu 200 Jahre währenden Lebens kann viel passieren.
Oder auch nicht viel. So wie hier. Fressen, sitzen, im Schlamm dösen. Ein meterbreiter abgegraster Streifen bleibt hinter den Tieren zurück. Ist nichts mehr in Reichweite, muss der Panzer notgedrungen ein Stück weitergehievt werden. Unter allerlei Rascheln und Kratzen hebt sich der dunkelgraue Hügel in die Höhe, Schaufeln schmatzen ein paar Zentimeter über den nassen Boden, dann senkt sich der Koloss in Reichweite frischen Grases wieder hinab. Ob aus Anstrengung oder weil die Tiere sich etwas durch uns belästigt fühlen, vielleicht aber auch aus einem Gefühl heraus, das nur diesen uralten Wesen vertraut ist, entfährt ihnen manchmal ein langer, tiefer, durchdringender Seufzer. Als würden darin all die Jahre ihres Lebens mitschwingen. Vielleicht aber auch nur die Anstrengung, sich wieder zehn Zentimeter vorwärts bewegt zu haben.

 Tortuga Bay und noch mehr stehlende Finken

Viel zu kurz war uns die eine Stunde Aufenthalt, die wir auf dieser Tour bei den Schildkröten zur Verfügung hatten. Den Rest des Tages verbringen wir in der Tortuga Bay, einem Strand in der Nähe von Santa Cruz, wo man Meeresschildkröten und Iguanas antreffen kann.
Mit dem Taxi lassen wir uns wie überallhin innerhalb der Stadt für 1$ zum Eingang des Schutzgebietes fahren. Von dort aus führt ein schöner Weg durch einen Wald von nur auf den Inseln vorkommenden Baumkakteen. Ähnlich wie Feigenkakteen haben sie jedoch dicke braune Stämme, die an die brandenburgischer Kiefern erinnern. Nur glatter. Eidechsen mit roter Kehle flitzen über den Weg.
Das Meer hören wir bevor wir es sehen. Bald stehen wir an einem blendend weißen Strand, der in weitem Bogen nach rechts führt. Der Pazifik tiefblau und türkis vor dem hellen Sand. Wir laufen und laufen am Meer entlang. Seichte Wellen um unsere Füße. Gerade ist Ebbe und das Wasser flach und warm.

Am Ende des Strandes erreichen wir einen kleinen Mangrovenhain, vor dem sich mehrere Iguanas im heißen Sand platziert haben. Schwarz auf weiß. Das gepanzerte Maul an den Enden wie zu einem genüsslichen Lächeln nach oben gebogen.
In der Tortuga-Bay nebenan ist das Wasser so warm wie die Luft draußen. Beim Schnorcheln ist leider nicht viel zu sehen, da der Seegang den Sandboden aufwühlt. Und Kayaks für 10$ pro Person auszuleihen, um weiter draußen vielleicht Schildkröten beobachten zu können, erscheint uns auch nicht sehr lohnenswert. So bleiben wir noch etwas am hellgelben Strand mit den aufdringlichen Darwinfinken. Kleine Schwarze mit kräftigen Schnäbeln, gräuliche und braune … unbeirrbar versuchen sie, sich etwas von unseren bananen und Stullen unter die Krallen zu reißen. Und nutzen dabei ihren Status als evolutionäre Sympatieträger voll aus.

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