Ecuador: Galapagos – Tag 1

Ankunft bei den Echsen

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Ursprünglich hatten die Inseln nicht auf unserem Reiseplan gestanden. Unerschwinglich und nur mit über tausend Euro teuren Bootstouren schien man sie bereisen zu können. So jedenfalls hatte es der Reiseführer des Michael Müller Verlages dargestellt. Wir entschieden uns letztlich, die Inseln auf eigene Faust zu bereisen, was das Ganze nicht nur viel erschwinglicher machte, sondern generell sehr üblich zu sein scheint. Für alle, die etwas ähnliches vorhaben, mache ich daher Angaben über die Preise während unseres Aufenthaltes.

Auf dem Weg

Die Inseln schieben sich braun und flach ins Blickfeld des Flugzeugfensters. Eine nach der anderen. Wolken hängen über dem bergigen Inselinneren. Insgesamt sind es 13 große Hauptinseln, Santa Cruz, Isabella und San Christobal, sowie 100 kleinere Inseln und Felsen. Der Flughafen von Santa Cruz befindet sich auf der kleinen vorgelagerten Insel Baltra, wo wir übers Rollfeld zu einem kleinen, niedrigen Flughafengebäude laufen. Hitze wabert über brauner, trockener Lavasteinumgebung.
An der Passkontrolle bezahlen wir zuerst die 100$ Nationalparkgebühr. Muscheln, die wir am Strand in Canoa gesammelt haben, müssen wir beim Personal abgeben, damit sie bei der Ausreise nicht für mitgenommene Andenken von den Inseln gehalten werden. Kein Fleisch, keine Früchte, keine Tiere dürfen eingeführt werden. Die Gepäckfächer im Flugzeug waren mit Insektiziden besprüht worden, Campingausrüstung und Wanderschuhe müssen gereinigt sein. Groß kontrolliert wird das allerdings nicht. Mit meinem Zelt dürften etliche tote Insekten eingeschleppt werden. Ebenso darf später nichts Natürliches die Insel verlassen. Daher bleiben die Muscheln also beim Flughafenpersonal. Formularisch belegt und muchas gracias!

Vom Flughafen geht es mit einem kostenlosen Bus zum anderen Ende der Insel. Eine Fähre (1$) überquert hier den schmalen Kanal zwischen Baltra und Santa Cruz. Am Ufer ein Pelikan. Graubraun und in aller Ruhe sitzt er da. Zwei Meter vor mir. Lässt sich durch uns Neuankömmlinge nicht stören.

Auf Santa Cruz angekommen geht es mit dem Bus (2$) nach Puerto Ayora, der größten Stadt hier. Die Straße führt schnurgerade über die Insel, die im Inneren einige hundert Meter hoch ist. Es weht kühl durchs Fenster, während wir durch feuchte, dichte Wälder und Plantagen fahren. Bananen, Kaffee und Papayas. Karo quiekt auf, als sie im Vorbeifahren einen glatten grauen Hügel im Gras sieht. Kein Stein, beteuert sie. Dann war es wohl eine Riesenschildkröte! Überall im grünen Inselinneren sollen sie umherlaufen.

Porto Ayora

In Porto Ayora drückt die Hitze. Wir sitzen erstmal ein bisschen an der Bushaltestelle und versuchen uns klarzumachen, wo wir hier gerade gelandet sind. Karo läuft davon und schaut sich Pelikane an, die auf Laternen an der Uferpromenade sitzen. Wir laufen durch den Ort zu unserem Hostel, passieren Restaurants, Hotels, Tour-Agenturen.
Wir haben vorab ein Doppelzimmer für 30$ gebucht, im „Galapagos Dove“, etwas außerhalb des Zentrums. Ein Familienbetrieb geführt von Vater und Sohn. Großmutter, eine scheinbar steinalte kleine Frau mit zahnlosem Lachen und einer bunten Strickmütze auf dem Kopf sitzt immer vor der Rezeption. Leider verstehen wir nicht viel von dem was sie uns erzählt, aber es macht Spaß ihr zuzuhören. Ein einfaches Zimmer, ein bananenbebaumter Innenhof und viele Restaurants in der Nähe, wo wir oft Fischmenüs für 4$ essen werden.

Als erstes laufen wir zwanzig Minuten hinunter ans Meer, zum Darwin Research Center. Einige Meter hinter der Schranke zum Nationalpark liegt etwas graues, lebloses auf der Straße. Schade, denken wir, dass der erste, den wir sehen, überfahren wurde … Da bewegt er sich! Dreht den Kopf zur Seite, schaut was da vorbeigeht. Bräsig, alle viere von sich gestreckt liegt ein Iguana am Straßenrand. Tankt die Restwärme des Asphalts. Drache und Saurier in einem. Warzenbedeckter Kopf, zackiger Rückenkamm, schwarze Schuppenhaut und langer Echsenschwanz. Einen knappen Meter misst das Ungeheuer. Urzeiten blicken uns aus dunklen Augenwinkeln an. Unverändert, seit grauester Vorzeit. Fünf krallenbesetzte Finger an jeder … Hand. Wie die Monstermaskierung an der Hand eines Horrorfilmdarstellers. Die bedächtigen Bewegungen, das fein gegliederte Gesicht. All das so ausdrucksstark, dass es beinahe menschlich wirkt.

Drachen & Krabben

Zu den Schildkröten im Darwin Research Center wollen wir heute noch nicht, da wir sie zuerst in freier Wildbahn erlebt möchten. Stattdessen laufen wir zu einem kleinen Strand, wo auf schwarzem Lavagestein unzählige Krabben unterwegs sind. Die kleinen schwarz wie der Stein und nur zu erkennen, wenn sie sich bewegen. Die großen leuchtend rot und bis 30 cm breit. Bewegen wir uns in ihre Richtung, krabbeln die Krabben elegant seit-, rück-, vorwärts in ihre Verstecke. Springen sogar von einem Felsen zum nächsten. Ein dicker Vogel mit kurzen Beinen und langem Schnabel versucht ihnen nachzustellen, vergeblich. Sehr lecker, wie uns später zwinkernd ein Tourguide erzählt. Aber jetzt natürlich unter Schutz.

Noch immer von den schimmernden Krabben fasziniert bleibt mein Auge an einem Drachengesicht hängen. Dann noch ein Rückenkamm, ein langer Schuppenschwanz. Mehrere Iguanas sitzen ebenfalls auf den Felsen, ohne dass wir sie bemerkt hätten. So meditativ bewegungslos hocken sie schwarz in schwarz auf dem Gestein. Ab und zu hört man von Ihnen niesende Geräusche und sie spucken etwas aus. Überschüssiges Salz vom Schwimmen im Meer, wie wir später erfahren.

Wir empfinden es als großes Privileg, hier zu sein. Diesen Kreaturen zuschauen zu können. Schwarze Silhouette im Abendlicht.

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