Ecuador: Mitte der Welt

Mitad del Mundo

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Morgen

Der Ort noch vor dem Aufwachen. Von unseren Hunden keine Spur. Mit dem Morgenbus von Mindo los. Diesmal fahren wir bei klarem Wetter, sodass die tiefen Täler und steilen Hänge der Bergwelt gut zu sehen sind. Blick zurück auf die Fahrstrasse in der letzten Kurve: sie ist schon nicht mehr zu sehen, so dicht bedeckt die Vegetation den Hang.

Wir sehen immer zu, dass wir hinten im Bus sitzen. So kann eigentlich nichts gestohlen werden, wenn man halbwegs aufpasst. Immer wieder ist uns eingebleut worden, die Sachen um Himmels Willen nicht in die Oberablage oder unter den Sitz zu legen. Nur auf dem Schoß seien Sie halbwegs sicher. Leute erzählten uns, ihnen seien die Sachen vom Schoß gestohlen worden. Obwohl sie wach und unabgelenkt gewesen seien. Naja. Eins davon war wahrscheinlich nicht der Fall. Wir versuchen uns deswegen in jedem Fall immer hinten in den Bus zu setzen.

Mitte der Welt

Auf dem Weg nach Quito steigen wir in Mitad del Mundo aus. Ein trostloser Ort unter gleißender Andensonne. Er scheint einzig und allein dafür entstanden zu sein, die „Mitte der Welt“ mit Infrastruktur zu umgeben. Graubetonene, halbfertige oder abgetakelte Häuser und Gebäude, die offensichtlich nicht viel von den Einnahmen durch Ecuadors Haupttouristenattraktion, zu sehen bekommen. Diese selbst besteht aus einer künstlichen „Kolonialstadt“, angelegt um ein martialisches Monument, das die Errungenschaft der französischen Vermessungsmission aus dem 19. Jahrhundert symbolisiert: die Bestimmung der Äquatorlinie.

Die Hauptallee der Stadt ist denn auch geziert durch die Betonköpfe der Missionsteilnehmer: hauptsächlich Franzosen, einige Spanier und Ecuadorianer. Dieser historische Hintergrund zumindest verleiht dem Ort eine gewisse Würde. Angesichts der von Ramsch- und Souvenierläden bewohnten Stadt muss man sich allerdings etwas bemühen, diese bewundernswerte Vermessungsaktion vor Augen zu behalten. Heute ist der Äquator durch eine gelbe Linie markiert, die den ganzen Ort durchzieht. Sie eignet sich hervorragend für Fotos mit einem Fuß auf der Nord- und einem auf der Südhalbkugel, um ca. 200 Meter verrechnet. Auf den Infotafeln heisst es dazu, die gelbe Linie sei lediglich Repräsentant für die in Wirklichkeit 5 km breite Äquatorlinie. Der Messfehler wird dadurch zwar kaschiert, doch wer sagt eigentlich, dass der Äquator genau 5 km breit ist? Warum nicht 2,37 cm?

Die „wirkliche“ Mitte der Welt

Das Museo Intiñan 200 Meter nebenan nimmt für sich die korrekte Äquatorlinie in Anspruch und „beweist“ dies mit auf Nord- und Südhälfte in unterschiedlichen Richtungen abfließendem Wasser, sowie einem Ei, das auf einem Nagel steht. Leider waren wir nicht drin, um das Kuriositätenkabinett aus „wissenschaftlichen“ Vorführungen, Incafiguren, nordamerikanischen Marterpfählen und Osterinselköpfen zu durchstreifen. Zwei Kunstorte an einem Tag und in der stechenden Hitze hätten uns überfordert.

Wo der Äquator verläuft

Beim Verlassen von Mitad del Mundo sieht man auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Hügel, auf dem mit Steinen der Schriftzug gelegt wurde: „Ecuador ama la vida“. Eine Stehle markiert dort eine alte Inka-Stätte, die sich an der aus heutiger Sicht exakten Position des Äquators befand. Warum überrascht das nicht?

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